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05.01.2017

Harenzhofen, Filialkirche St. Ägidius

Der Dachreiter der Filialkirche St. Ägidius in Harenzhofen ist mit einem wertvollen kleinen Glockenensemble bestückt. Es handelt sich dabei um zwei historische Glocken aus dem 14. und 18. Jahrhundert.

In der "Matrikel des Bisthums Eichstätt nach dem Stande des Jahres 1875" sind für Harenzhofen zwei Glocken aufgeführt, leider ohne nähere Angaben zu möglichen Gießern oder Gußjahren.

Im 1906 erschienenen Band IV (Bezirksamt Parsberg) der Kunstdenkmäler Bayerns werden unter Harenzhofen ebenfalls zwei Glocken beschrieben, die 1761 gegossene Kissner-Glocke, sowie ein kleineres, aus dem 14. Jahrhundert stammendes Instrument eines unbekannten Meisters.

Musste während des ersten Weltkriegs scheinbar keine dieser Glocken abgegeben werden, kam 1941/1942 die größere und "jüngere" Kissner-Glocke vom Turm. Nach dem Krieg kehrte sie glücklicherweise weitgehend unbeschadet wieder zurück nach Harenzhofen. Noch heute zeugt die auf der Oberfläche der Glocke aufgetragene Kennziffer von diesem dunklen Kapitel der deutschen Glockengeschichte.

Harenzhofen, Filialkirche St. Ägidius. Bild: Thomas Winkelbauer
Harenzhofen, Filialkirche St. Ägidius: Ägidiusglocke, 1761 gegossen von Johann Erhard Kissner, Stadtamhof. Foto: Thomas Winkelbauer
Harenzhofen, Filialkirche St. Ägidius: Ägidiusglocke, 1761 gegossen von Johann Erhard Kissner, Stadtamhof. Foto: Thomas Winkelbauer
Harenzhofen, Filialkirche St. Ägidius. Bild: Thomas Winkelbauer
Harenzhofen, Filialkirche St. Ägidius: Evangelistenglocke eines unbekannten Meisters des frühen 14. Jahrhunderts. Foto: Thomas Winkelbauer
Harenzhofen, Filialkirche St. Ägidius: Evangelistenglocke eines unbekannten Meisters des frühen 14. Jahrhunderts. Foto: Thomas Winkelbauer
Harenzhofen, Filialkirche St. Ägidius: Evangelistenglocke eines unbekannten Meisters des frühen 14. Jahrhunderts. Foto: Thomas Winkelbauer
Harenzhofen, Filialkirche St. Ägidius: Evangelistenglocke eines unbekannten Meisters des frühen 14. Jahrhunderts. Foto: Thomas Winkelbauer
Harenzhofen, Filialkirche St. Ägidius: Neuer Glockenstuhl aus Eichenholz. Foto: Thomas Winkelbauer
Harenzhofen, Filialkirche St. Ägidius: Reste der Kennziffer auf der Ägidiusglocke. Foto: Thomas Winkelbauer
Harenzhofen, Filialkirche St. Ägidius: Ägidiusglocke, 1761 gegossen von Johann Erhard Kissner, Stadtamhof. Foto: Thomas Winkelbauer
Harenzhofen, Filialkirche St. Ägidius: Neuer Glockenstuhl aus Eichenholz. Foto: Thomas Winkelbauer

Harenzhofen, Plenum

 

 

Sanierung der Glockenanlage

Im März 2009 wurde die Glockenanlage der Filialkirche St. Ägidius in Harenzhofen durch Thomas Winkelbauer, den Glockensachverständigen der Diözese Eichstätt inspiziert. Dieser monierte massive technische Mängel und empfahl der Kirchenverwaltung mit sofortiger Wirkung auf das Läuten mit der kleinen Glocke zu verzichten.

Neben Korrosionsschäden machten dem Glockensachverständigen vor allem die in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts scheinbar selbst fabrizierten Jochkonstruktionen, sowie die mangelhafte Aufhängung der Evangelistenglocke größte Sorgen: Durch unsachgemäßen Umgang war die Krone dieses wertvollen Instrumentes größtenteils zerstört, so dass von einer akuten Absturzgefahr ausgegangen werden musste.

Die Kirchenverwaltung arbeitete daraufhin zusammen Thomas Winkelbauer ein nachhaltig angelegtes Sanierungskonzept aus, das im Jahr 2011 erfolgreich in die Tat umgesetzt werden konnte.
Um die Kosten auf ein finanzierbares Maß senken zu können, erbrachten einen großen Teil der erforderlichen Leistungen ehrenamtlich Kräfte aus dem Dorf. So fertigte beispielsweise ein engagierter Dorfbewohner aus Harenzhofen unter anderem einen neuen Glockenstuhl aus Eichenholz.
Nachdem die Krone nicht mehr zu retten gewesen war schweißte das Nördlinger Glockenschweißwerk Lachenmeyer eine neue Krone in die Evangelistenglocke ein. Die Karlsruher Firma Bachert stattete schließlich beide Glocken mit neuen Holzjochen und Klöppeln aus.

Seit Ende November 2011 läuten die Glocken wieder in ihrer vollen Pracht und rufen die Gläubigen zu den Gottesdiensten, laden ein zum Gebet. Das Fazit des Glockensachverständigen: "Eine rundherum gelungene Sanierung! Die Glocken und deren Umfeld werden beim Läuten augenscheinlich deutlich weniger beansprucht als vor der Sanierung. Großer Dank und Respekt ist den ehrenamtlichen Kräften auszusprechen, die in äußerst engagierter Art und Weise das Gelingen dieses Projektes ermöglicht haben."

Harenzhofen, Filialkirche St. Ägidius: Korrosionsschäden am alten Glockenstuhl. Bild: Thomas Winkelbauer
Harenzhofen, Filialkirche St. Ägidius: Joch der Ägidiusglocke. Bild: Thomas Winkelbauer
Harenzhofen, Filialkirche St. Ägidius: Merkwürdige Jochkonstruktionen aus Stahl. Bild: Thomas Winkelbauer
Harenzhofen, Filialkirche St. Ägidius: Reste alter Jochbeschläge. Bild: Thomas Winkelbauer
Harenzhofen, Filialkirche St. Ägidius: Massive Schäden an der Krone der Evangelistenglocke. Bild: Thomas Winkelbauer
Harenzhofen, Filialkirche St. Ägidius: Massive Schäden an der Krone der Evangelistenglocke. Bild: Thomas Winkelbauer
Harenzhofen, Filialkirche St. Ägidius: Massive Schäden an der Krone der Evangelistenglocke. Bild: Thomas Winkelbauer
Harenzhofen, Filialkirche St. Ägidius: Korrosionsschäden am alten Glockenstuhl. Bild: Thomas Winkelbauer
Harenzhofen, Filialkirche St. Ägidius: Ägidiusglocke, 1761 gegossen von Johann Erhard Kissner, Stadtamhof. Foto: Thomas Winkelbauer

Ägidiusglocke

Die größere dieser beiden Glocken ist eine typische Barockglocke, ausgestattet mit üppigen Friesen.

Schlagton: e''
Material: Bronze

Gießer: Johann Erhard Kissner, Stadtamhof
Gußjahr: 1761

Durchmesser: 578 mm
Gewicht: ca. 100 kg

Inschrift:
auf der Schulter:
IOHAN ERHARD KISSNER ZU STATT AM HOFF GOSS MICH ANNO 1761

Harenzhofen, Ägidiusglocke

Harenzhofen, Filialkirche St. Ägidius: Evangelistenglocke eines unbekannten Meisters des frühen 14. Jahrhunderts. Foto: Thomas Winkelbauer

Evangelistenglocke

Die Evangelistenglocke zählt zu den vierzig ältesten erhalten geblieben Glocken auf Eichstätter Diözesangebiet. Sie ist deutlich älter als der 1693 errichtete Harenzhofener Kirchenbau, außerdem der älteste erhaltene liturgische Gegenstand dieser Filialkirche.

Schlagton: g''
Material: Bronze

Gießer: unbezeichnet
Gußjahr: frühes 14. Jahrhundert

Durchmesser: 534 mm
Gewicht: 93 kg

Inschrift:
auf der Vorderseite der Schulter:
+ LVCAS + IOHANNES + MATHEVS + MARCAS + R

Harenzhofen, Evangelistenglocke